Russland & Ukraine FAQ

Antworten von Andrej auf Häufig gestellte Fragen zu Russland:

 

Odessa: Vorfälle am 2.Mai 2014 mit Dutzenden Todesopfern
Scharfschützen und Maidan

Odessa: Vorfälle am 2.Mai 2014 mit Dutzenden Totesopfern

Am 2. Mai gab es zunächst eine Demonstration für die Einheit der Ukraine, die aus einem Block aus Fussball-Fans und jungen Männern, u.a. pro-ukrainischen Kämpfern, und aus einem Block der ganz normalen Bevölkerung von Odessa inkl. Frauen und Kindern bestand. Diese Demo wurde von pro-russischen und zum Kampf gerüsteten jungen Männern attackiert, wobei ein pro-ukrainischer Demonstrant das erste Todesopfer des Tages wurde.

Später zogen sich die pro-russischen Aktivisten ins Gewerkschaftshaus zurück (und beschossen die Menge vor dem Haus auch vom Dach und von Fenstern aus), das in Brand geriet. Große Fragezeichen betreffen Polizei und Feuerwehr, die an diesem Tag völlig versagt haben. Es gab eine Verkettung von chaotischen und gewalttätigen Umständen, aber der Mythos eines einseitigen „Massakers“ ist nicht haltbar.
Detailinfos zum 2.Mai gibt es hier (auf Russisch, ggf. Google Translate nutzen):
http://2maygroup.blogspot.de/p/blog-page_8417.html

In der Folge der Ereignisse diese Tages kippte die Stimmung in der Bevölkerung von Odessa klar in Richtung pro-ukrainisch, nur eine marginale Minderheit hegt noch pro-russische Gefühle.

Scharfschützen und Maidan

Die Regierung Janukowitsch ließ die Meinungs- und Versammlungsfreiheit mit den Gesetzen vom 16 Januar de jure abschaffen, de facto hat sie das seit November so gehandhabt. Es wurden Schlägertrupps durch die Städte geschickt, um die Maidan-Teilnehmer zu attackieren und einzuschüchtern, es verschwanden Leute und wurden gefoltert. Das kommt einer Abschaffung der Demokratie gleich. In Deutschland hätte man dagegen das Recht zum gewaltsamen Widerstand (Art. 20 GG). Zwischen Mitte Januar und 21.Februar wurde schließlich auch auf Demonstranten scharf geschossen und zwar von Scharfschützen und nicht mit dem Ziel, sie zu verwunden und etwas einen Vormarsch auf das Parlament zu stoppen, sondern sie mit Kopf-, Hals- und Herzschüssen zu töten. Es gibt dazu eine Fülle von Videobeweisen, die fast zeitgleich im Internet erschienen (keine Zeit, etwas zu fälschen) u.a.:

Institutska-Straße oberhalb des Maidan (Maidan-Verteidiger haben Maidan und Hotel Ukraina im Rücken und bewegen sich bergauf Richtung Rada/Parlament): https://www.youtube.com/watch?v=Fns42rViXlA

So sieht es (zeitgleich?) von einer Ecke der Institutska Straße weiter oben Richtung Parlament aus, wo Spezialeinheiten offenbar in aller Ruhe „ihren Job“: https://www.youtube.com/watch?v=TlNjDv8F2jg

Auch hier eine gute Sammlung dieser „Arbeit“: https://www.youtube.com/watch?v=d0cLoUGeTHo

Zu den vermeintlichen Indizien, dass von Maidan-Aktivisten auf beide Seiten geschossen wurde, um eine Eskalation hervorzurufen: Dafür gibt liegen keine Beweise vor. Es gibt nur Hinweise, dass zwischen 19.-21.2. auch aus dem Hotel Ukraina auf Maidan-Kämpfer (in den Rücken) geschossen wurde. Und weil das Hotel in dieser Zeit vom Maidan übernommen war, können es dann vermeintlich nur die Leute vom Maidan gewesen sein. Außerdem wurde noch ein entsprechender Funkspruch abgehört, der das zu beweisen scheint. Mir erscheint folgende Version am wahrscheinlichsten:

An den betreffenden Tagen hatte der Maidan die Kontrolle über das Hotel Ukraina übernommen, weil es der einzige sichere Ort direkt an der Institutsa war, um die vielen Verwundeten zu behandeln. Es lebten dort viele ausländische Journalisten, auch Deutsche. Es wurde live von Vielen getwittert und berichtet. Das Hotel ist riesig, hat ca. 13 Stockwerke und mehr als 1000 Zimmer. Zwar übernahmen die Leute vom Maidan die Ein- und Ausgangskontrolle ca. ab 19.2., aber das ist nicht gleichzusetzen mit einer hermetischen Abriegelung, die Verhältnisse waren dafür zu chaotisch, sie hatten nicht die Leute und die Ausrüstung dafür. Fähige oder speziell ausgebildete Leute wären sicher wieder rausgekommen, ggf. durch den Seiten-, Hinter- oder Kücheneingang, Müllschleuse, Kanalisation oder einfach aus einem Fenster im 1.Stock. Ich gehe auch davon aus, dass die Maidan-Aktivisten nicht gleich bei der Übernahme jedes Zimmer und jeden Winkel durchsucht haben. Die Lobby war voller Verwundeter, Toter und Blut und draußen wurde heftigst gekämpft. Bereits vor dem 19.2. eingeschleuste z.B. als Journalisten getarnte Scharfschützen/Agenten wären wahrscheinlich bis 20.2. in ihren Zimmern unbehelligt geblieben. Ich erinnere mich an Tweets von ausländischen Journalisten am 20.2., in denen sie mitteilen, dass die Maidan-Selbstverteidigung von Zimmer zu Zimmer geht und Scharfschützen sucht. Warum sollten sie das machen, wenn sie vorher schon alles genau durchkämmt hätten? Nur, um eine Cover-Story für eigene Schützen/Provokateure zu erzeugen? Wer bereit ist, das zu glauben, der muss dann aber auch in Betracht ziehen, dass Befehlshaber dieses Massakers auf Seiten des Berkut/anderer Dienste natürlich auch mit Absicht auf einem offenen Kanal Funksprüche absetzten mit dem Inhalt, die Polizei schieße nicht auf Menschen, aber es wird vom Ukraina bzw. Maidan den Maidan-Kämpfern in den Rücken geschossen, während auf geschlossenen Kanälen oder direkt mündlich face-to-face die tödlichen Schießbefehle gegeben werden. Die sind ja nicht doof und wollten sich vielleicht auch irgendwie juristisch absichern, indem sie parallel entlastende „Beweise“ produzierten.

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